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Azul.  06/09/2010,   
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Sprache ist Kulturgut - auch in Algerien!

Ass : Sed/Asamas = Samedi 28 Furar 2009 | Auteur : Lyazid | Aḥric : Isallen

maj : 2009-08-10 12:33:01 | Permalien : http://kabylei.eu/spip.php?article7
Visites : 3409 | Popularité : 3/5=50% | commentaire : 1    Enregistrer au format PDF  Version imprimable de cet article    Ezδi Ezδi ©

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In Algerien müssen viele Menschen eine Sprache sprechen, die nicht ihre Muttersprache ist und wollen sich damit nicht abfinden.

Stellt euch Folgendes vor: Im Jahre 2035 wird in Deutschland nur noch Türkisch gesprochen!

Zugegeben, die Einleitung erinnert an eine Überschrift der Zeitung mit den vier großen, weißen Lettern auf rotem Hintergrund: Reißerisch und gemein kommt sie daher, aber man möchte mehr wissen. Ich habe mich auch genau aus diesem Grund dafür entschieden, weil ich möchte, dass ein Volk eine Stimme bekommt, die es wert ist gehört zu werden. Zu Beginn meines Artikels möchte ich darauf aufmerksam machen, dass es sich hier keineswegs um einen Bericht mit rassistischem Hintergrund oder Volksverhetzung handelt, auch wenn das auf den ersten Blick den Anschein erwecken könnte. Die angesprochene Problematik ist aber auf einer vereinfachten und vergleichenden Ebene leichter zu verstehen und wird vor allem überhaupt erst nachvollziehbar.

Deutschland ist ein Einwanderungsland und die Volksgruppe der Türken stellt bisher die größte Gruppe der Zuwanderer da. Wie wir wissen bekommen die Deutschen selbst relativ wenige Kinder. Einige Zuwanderer haben da schon eine deutlich höhere Geburtenrate. Nun gibt es seit Jahren verschiedene Hochrechnungen, wann die Deutschen im eigenen Land nicht mehr in der Überzahl sein werden. Ich werde hier auf keine dieser Zahlen näher eingehen, weil sie für diesen Artikel schlichtweg belanglos sind.

Aber, jetzt stellt euch bitte vor, im Jahre 2035 gibt es eine Volksabstimmung und die Deutsche Sprache würde abgeschafft werden. Was würdet ihr dazu sagen? Es würde nicht einmal mehr Deutsch an den Schulen unterrichtet werden. Die deutsche Kultur an den Rand gedrängt, kein Goethe, kein Mozart, kein Günter Grass mehr. Wenn man Glück hat singt einem die Oma noch „Der Mond ist aufgegangen“ vor dem Schlafengehen vor, aber die kommenden Generationen werden dieses Lied schon vergessen haben. Unvorstellbar, oder? Wenn ihr auf die Straße geht, um für eure Sprache friedlich zu demonstrieren kann es sein, dass ihr nicht wieder nach Hause kommt. Vielleicht verschleppt, vielleicht niedergeknüppelt oder im Rollstuhl. Ich beschreibe hier ein Szenario, dass sich hier vermutlich glücklicherweise nie abspielen wird. Und ich entschuldige mich hier bei den Türken, dass ich sie hier benutzt habe, um eine Situation zu beschreiben, die es in einem anderen Land wirklich gibt.

„Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn, Im dunkeln Laub die Goldorangen glühn, Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht, Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht? Kennst du es wohl? Dahin!...“

(J.W. v. Goethe)

Ja, es gibt ein Land, wo die Zitronen blühen. Da ist es ungefähr so schön, wie Goethe es in seinem Gedicht (auch wenn er hier eigentlich ein anderes Land meint) beschreibt. Goethe, den wir nach dem oben beschriebenen Szenario ja schon gar nicht mehr kennen dürften. Die Rede ist von Algerien. Ein Land, von dem schon jeder einmal gehört hat, aber kaum Genaueres weiß. Ein bezauberndes Land. Ein Land mit einer pluralistischen Bevölkerung - in jeglicher Hinsicht. Es ist wie ein verborgener kultureller Schatz, den man entdecken könnte. Verschiedene Kulturen, Sprachen, Ethnien und Religionen. Leider hat die algerische Regierung noch nicht verstanden, was für einen Schatz es zu verteidigen gilt, nachdem sich Algerien endlich von der Kolonialherrschaft befreit hatte. Das Gegenteil ist sogar der Fall. Eine Besonderheit ist die indigene Bevölkerungsgruppe der Kabylen, die zur Gruppe der Berber zählt, ebenso die Tuareg, von denen die Mehrheit sicher schon einmal etwas gehört haben dürfte.

Seit der Kolonialzeit Frankreichs von 1830-1962 haben die Kabylen, die einen beachtlichen Teil der algerischen Bevölkerung ausmachen, gelitten und auch nach dieser Zeit, als alle auf Besserung hofften, wurde es nicht besser, es wurde noch schlimmer. Seit Ende der Kolonialzeit kämpfen die Kabylen erfolglos für die offizielle Anerkennung ihrer Sprache. Sie leben in einem Land, in dem sie eine Fremdsprache quasi als ihre Muttersprache anerkennen müssen, denn das Kabylische - eine afroasiatische Sprache - ist in Algerien keine offizielle Amtssprache, sondern nur eine Nationalsprache und selbst diesem Zugeständnis sind endlose Bemühungen vorausgegangen.

Die berberischen Kulturen und Sprachen sind ein erhaltungswürdiges Kulturgut, haben aber leider überhaupt keine Lobby, weder im Aus- noch im Inland.

Sie wird von der algerischen Regierung systematisch marginalisiert und an den Rand gedrängt und niemand eilt zur Hilfe. Die Möglichkeit der Kabylen sich im eigenen Land stark zu machen ist eine schwierige Angelegenheit und hat in der Vergangenheit viele Opfer gekostet. Es gibt Sänger wie Idir und Oul Lahlou, die über die Freiheit und Frieden der Kabylen singen und regelrecht als Volkshelden gefeiert werden. Ihre Lieder gehen unter die Haut. Die Kabylen sind schon seit Jahrzehnten entschlossen, sich nicht geschlagen zu geben und mit friedlichen Mitteln für ihre Rechte zu kämpfen.

Das interessante an diesem Konflikt ist, dass die Gegner selbst Berber sind, die allerdings keine berberische Sprache sprechen, sondern arabisiert sind. Aber nicht zuletzt ist es eine Glaubensfrage: es geht um die arabisch-islamische Dominanz in Algerien. Schade ist, dass diese Unruhen im eigenen Land unter anderem dazu führen, dass es kaum Tourismus gibt. In den umliegenden Ländern floriert der Tourismus. Die Arbeitslosenzahlen in der Kabylei hingegen sind erdrückend und Tourismus wäre eine gute Möglichkeit der Region auf die Beine zu helfen.

Bekannt ist der „Berberfrühling“, eine Demonstration die nun jedes Jahr seit dem 20. April 1980 stattfindet. Eine friedliche Emanzipationsbewegung, aber schon damals hat sie Opfer gefordert. Im Jahre 2001 griff die Polizei ein und 123 junge Kabylen ließen ihr Leben, über 500 wurden verletzt. Auf Seiten der Polizei gab es keine Opfer.

Am 12.01.2009 war nach berberischer Zeitrechnung Neujahr, welches natürlich mit einer Demonstration für die Autonomie der Kabylei eingeleitet wurde. Nach Presseberichten gingen 4000 Studenten in Tizi Ouzou, der Hauptstadt der Kabylei und dem Kulturzentrum der Berber, auf die Straße, um wieder einmal für MAK (Mouvement pour l’Autonomie de la Kabylie) zu demonstrieren. Mit wehenden blau-grün-gelben Fahnen, den Farben der Kabylei, skandierten sie: „Pouvoir assassin!“, „Timanit i Tmurt!“ (Für die Autonomie der Kabylei) und „Corriger l’histoire!“. Der neuste Slogan des MAK lautet: „Autonomie de la Kabylie - Yes we can!“ Warum auch nicht, mit dem Slogan ist schließlich auch Barack Obama zum neuen Präsidenten in den USA gewählt worden. Die Forderung des MAK nach Autonomie für ihre Region scheint für Außenstehende zunächst überzogen, angesichts der generellen Situation eines Landes, das sich ja praktisch ständig im Ausnahmezustand zu befinden scheint.

MAK ist noch eine junge Bewegung, und noch sind nicht alle Kabylen Anhänger dieser Bewegung, aber es ist wohl nur eine Frage der Zeit. Die Zukunft wird zeigen, was sich ergibt...in dem Land, wo die Zitronen blühen, und die Bestrebungen zur Erhaltung einer jahrtausende alten Kultur und Sprache - deren Wurzeln in eine Zeit weit vor der arabisch-islamischen Herrschaft Nordafrikas zurückreichen - hoffentlich Früchte tragen. I hope, they can!

von UliRohde




P.-S.

- Ein kabylisches Video zum Thema->http://www.dailymotion.com/relevanc...




Tiririt ɤef umagrad-a

1 Izen

  • Die Ausführungen von Frau Rohde finde ich oberflächlich und bedenklich. Sie sind in meinen Augen viel zu subjektiv und beinahe hysterisch. Das Beispiel mit den Türken wirkt auf mich an den Haaren herbeigezogen und ist in mehrerer Hinsicht nicht als Vergleich mit der Situation der Kabylen in Algerien geeignet. Für mich stecken auch falsche Denkansätze im Text.

    Im Gedankengut des MAK scheinen separatistische Ideen verankert und die treibende Kraft zu sein. Ob das erfolgversprechend ist, kann ich nicht beurteilen. Eine regionale Autonomie wie in Spanien könnte wirklich ein Modell sein, über das man sich Gedanken machen könnte, aber ich glaube die Vorstellungen gehen hier weiter. Für mich als halben Kabylen bietet dieser Artikel keine Basis für eine Identifikation. Das bin ich schon alleine meinem türkischen Freund Ali schuldig! Scherz beiseite: Ich werde mich noch besser über dieses Mouvement informieren und hoffe, evtl. auf differenziertere und besser durchdachte Informationen zu stoßen.

    Malik

    Tiririt i yizen-a

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